Die Schuld an Wildunfällen

Heute flatterte ein Tweet mit einem Link zur Ahlener Zeitung herein. Ein Jagdpächter stellt einen rapiden Anstieg an Wildunfällen fest. Seit Mitte 2009 soll es zu 48 Unfällen gekommen sein, bei denen Rehe beteiligt waren. Schön und gut, aber wie sehen die Zahlen für die Zeit vor Mitte 2009 aus? Was passiert, wenn man den Zeitraum auf Mitte 2000 legt, ist der Anstieg dann noch größer? Alleine die ersten beiden Sätze zeigen, was Statistiker selbst am besten wissen: Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast. Nun soll es jedoch so sein, dass ausgerechnet die Geocacher Schuld an diesem "rapiden Anstieg" sind.

 

"Allein seit Januar 2010 sollen nachweislich 100 Gruppen zu mitternächtlicher Stunde an diesem Spiel teilgenommen haben." So so. Gucken wir doch mal auf die Karte rund um die besagte Westbeverner Str.:

Karte von Telgte

Im Gebiet um die besagte Straße fällt dem geneigten Geocacher selbstverständlich direkt auf, dass es weder Tradi noch Multi im Wald gibt. Warum regt der Jagdpächter sich denn dann auf? Da werden dann im Januar bestimmt keine 100 Gruppen gewesen sein...

Der letzte Nachtcache in dieser Region wurde im Dezember archiviert. Wie dem Log zu entnehmen ist auch nach Rücksprache mit dem Jagdpächter. Der im November/ Dezember letzten Jahres bereits auf den "siknifikanten Anstieg" der Unfälle hingewiesen hat.

Einen wahren Teil hat der Artikel also. Es gab einen Nachtcache und dieser wurde auch archiviert nachdem der Jagdpächter mit dem Owner Rücksprache gehalten hat. Wo in dem Gebiet rund um die Westbeverner Str. im Januar dann nachweislich 100 Gruppen an diesem Spiel teilgenommen haben erschließt sich mir auf Grund der Karte nicht. Oder meint der Jagdpächter in ganz Telgte? Und dass es schon wieder einen neuen Nachtcache in dem Gebiet gibt kann ich auch nicht sehen.

Alles in allem will ich die Schuld an diesem Artikel gar nicht mal dem Jagdpächter in die Schuhe schieben. Vielmehr glaube ich, dass die Zeitung da etwas mehr draus gemacht hat als es eigentlich ist. So entsteht Gespräch über das, was ich der Zeitung steht.

Ich hoffe der Jagdpächter nimmt das Angebot des Owners an und geht mal auf einen Cache mit und guckt sich an, was wir da so treiben. Ggf. kann man mit ihm zusammen ja einen jadgverträglichen Cache legen.

Nachtrag: Ich muss noch im Jahr 2011 ankommen. Danke an Bursche für den Hinweis. Ich zitiere es sogar noch. Aber auch seit Januar 2010 haben diesen Cache keine 100 Gruppen gemacht. Bei 127 Funden insgesamt mögen es vielleicht 100 Leute gewesen sein...

Nachtrag2: Nach einem Telefonat mit dem Cacheowner hat sich mein Verdacht bestätigt. Der Artikel wurde erst durch den Zeitungsmenschen zu dem, was er ist. Der Jagdpächter hatte andere Worte gewählt. Zudem ist darauf hinzuweisen, dass der Jagdpächter gemeinsam mit dem Owner eine Runde durch den Wald gedreht hat und nun ein "wahres" Bild vom Geocaching hat. Der Jagdpächter scheint mir ein sehr umgänglicher Typ Mensch zu sein der den Geocachern nichts böses wollte sondern nur versucht die Anzahl der Wildunfälle zu reduzieren. Denn, mittlerweile kenne ich Vergleichszahlen, der Anstieg der Unfälle war schon deutlich, ob er nun jedoch abnimmt steht auf einem anderen Blatt....

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